Internetkompetenz
Von TV zu Web-TV
Bei der Entwicklung von nutzerorientierten Internetdiensten hat die APG nie auf exotische Entwicklungen im Bereich der IT-Technik, sondern auf Innovationen gesetzt, die einem nachhaltigen Trend folgten.
So setzte das Unternehmen im Jahre 2000 rechtzeitig für das Videostreaming auf den Microsoft Mediaplayer, während ARD und ZDF damals den heute abgeschlagenen RealPlayer favorisierten und damit eine geringere Verbreitung ihrer Videos und eine spätere nochmalige Encodierung in Kauf nahmen.
Ein anderes Beispiel: statt hohe monatliche Servermieten zu bezahlen, betreibt die APG inzwischen eigene Server mit Hardware-Supportverträgen der Hersteller. Die Ausfallzeit der Hardware innerhalb der letzten 5 Jahre beträgt etwa 5 Minuten. Eine entsprechend geringe Ausfallzeit kann kein Rechzentrumsbetreiber im Falle der Vermietung von Servern zusichern.
Bis heute ist das bei der APG schon im Jahre 2000 eingeführte Web-TV am einfachsten und barrierefrei empfangbar. Auf komplizierte Zugangstechnik kann – anders als bei Internet-TV – verzichtet werden. Inzwischen reicht der weit verbreitete Flash-Player. Das erreichbare Nutzerpotenzial ist damit identisch mit den normalen Internetusern. Dazu profitiert das Web-Streaming von den kontinuierlich erhöhten Bandbreiten und wird gegen Ende des Jahrzehnts qualitativ dem heute bekannten SD-Fernsehen in nichts mehr nachstehen. Internet-TV oder IP-TV mit Zusatzgeräten sind dagegen aus APG-Perspektive derzeit nicht massentauglich.
Um das so genannte "Videostreaming" - die Übertragung der Filme aus dem Internet zum PC - ausfallsicher selbst bei hohen Nutzerzahlen anbieten zu können, betreibt die Kölner APG seit 2001 eigene Streaming-Server. Sie sind im Rechenzentrum der NetCologne direkt mit dem Backbone verbunden. Damit die Videos in guter Qualität beim Nutzer ankommen, steht der APG inzwischen eine Bandbreite von 1 Gigabit pro Sekunde zur Verfügung (zum Vergleich: ein normaler DSL-Anschluss bietet 1 bis 6 Mbit/sec; für normales Web-Hosting reichen 10 Mbit/sec.).
Für die Kirche ist das Medium Internet doppelt interessant: Die Nutzung des Computers ist schon heute – anders als noch vor 10 Jahren – nicht mehr auf die jüngere Generation beschränkt. (Vgl. hierzu den Onlinedienst heise.de vom 18.04.2005: „Die Zahl der Menschen, die im Jahre 2004 in Deutschland das Internet nutzten, ist bei den älteren Menschen ab 54 Jahren gegenüber 2002 um 38 Prozent gestiegen. Dies ist ein deutlich stärkeres Wachstum als bei der Gesamtbevölkerung ab 10 Jahren; in diesem Fall liegt die Steigerung bei 22 Prozent. Diese Zahlen meldet das Statistische Bundesamt.“)
Künftig wird der Empfang von Internetinformationen auf TV-Bildschirmen via W-LAN auch die klassische Grenze der Medien verwischen und die Nutzerschar noch weiter vergrößern. Der Umgang mit Internetinformationen ist zudem aktiver und intensiver als beim rein passiven Fernsehen. Dies dürfte für die Vermittlung kirchlicher Informationsinhalte von großem Vorteil sein.
Anders als beim klassischen Fernsehen besteht im Internet für Nutzer keine Unterhaltungs-, sondern eine Informationserwartung. (Vgl. hierzu den Onlinedienst heise.de vom 22.08.2007: „Rund 70 Prozent [der Bundesbürger] sind sogar der Ansicht, dass das Internet der beste Weg zur Informationsgewinnung sei. Dagegen schreiben etwa drei Viertel dem Fernsehen einen hohen Unterhaltungswert zu, dem Internet dagegen nur ein Viertel. Etwa 60 Prozent informieren sich vor allem im Fernsehen über das aktuelle Tagesgeschehen.“ Und die Netzeitung berichtet in diesem Zusammenhang über die Onlinestudie von ARD/ZDF 2007: „Kein Medium hat sich schneller verbreitet als das Internet: Innerhalb von zehn Jahren stieg der Anteil der Nutzer des weltweiten Computernetzes in Deutschland von 6,5 Prozent auf 62,7 Prozent, wie die ARD/ZDF-Onlinestudie 2007 ergab. Demnach haben derzeit 40,8 Millionen Deutsche ab 14 Jahren Zugang zum Internet. Der Zuwachs geht vor allem von Frauen und Senioren aus: Von der weiblichen Bevölkerung sind inzwischen 57 Prozent online, von den Über-60-Jährigen ist es mit rund 25 Prozent jeder Vierte. Im vergangenen Jahr waren es noch 52,4 beziehungsweise 20,3 Prozent gewesen. Die Bedeutung der «Silver Surfer» für das Internet ist kaum zu überschätzen. Bereits heute sind 5,1 Millionen Nutzer mit einem Alter von mehr als 60 Jahren in Deutschland online. Die Gruppe der 14- bis 19-Jährigen ist dagegen nur mit 4,9 Millionen Nutzern im Internet vertreten. Dabei dient das Netz drei Vierteln der Befragten vor allem als Informationsmedium. Die Unterhaltung steht dagegen nur bei 14 Prozent der Anwender an erster Stelle.“ (Netzeitung, 04.09.07)
Der Spreizschritt, den kirchliches Fernsehprogramm bei den etablierten, insbesondere auch bei den privaten Sendern, machen muss, nämlich Verkündigung in eine Form quotentauglicher Unterhaltung zu überführen, entfällt im Internet. Der Grund hierfür liegt in den unterschiedlichen Rezeptionshaltungen des Nutzers gegenüber Fernsehen und Internet. Die Rezeptionsstruktur des Bewegtbildmediums Fernsehen sperrt sich gegen die Vermittlung von Informationen ohne die Dramaturgie der Spannung (des Wechsels, des Unerwarteten, des Neuen) und der Unterhaltung (der Sensation, des Besonderen). Oder einfacher ausgedrückt: Wer dort auf Talk, Interview und Predigt setzt, dürfte deutlich schwerer Kontakte erzielen als mit denselben Inhalten im Internet.
Web-TV – dazu gehört inzwischen ein ganzes Spektrum an Angeboten: Neben On-Demand-Archiven, aus denen jeder Nutzer sich sein eigenes Programm zusammenstellen kann, bietet die APG inzwischen auch lineares Streaming rund um die Uhr. Auf diese Weise lassen sich auch unbekannte Programme reaktivieren und mit vorhandenem Content vernetzen. Neuen Formen der Programmsteuerung – wie die nutzergesteuerte Zusammenstellung linearer Programme – dürften in der nächsten Zeit das Internetangebot von katholisch.de abrunden.
Web-TV wird im Zusammenspiel mit schon bestehenden multimedialen Informations- und Verkündigungsangebote bei katholisch.de zu einem Modul, das kirchliche Kommunikation – anders als alle vorhandenen und bisher kirchlicherseits genutzten Medien – zurück an den edigentlichen Verkündigungsauftrag der Kirche bindet.
Entwicklung einer katholischen Internet-Community
Das Internet – und auch das dürfte für die Kirche bei der Wahl des geeigneten Mediums künftig ganz entscheidend sein – ist community-fähig. Mit wachsender regionaler Flexibilität der Gesellschaft werden klassische Gemeindestrukturen immer wieder durchbrochen. Hier ergeben sich ganz neue Heraus- und Anforderungen für die zentralen Internetaktivitäten der Katholischen Kirche in Deutschland.
Je mehr das Internet zum allzeit präsenten Kommunikationsmittel wird (und hier stehen wir heute immer noch erst am Anfang), desto nützlicher wird sein Einsatz für die Kirche.
Unter Community sind insbesondere Dienste zu verstehen, die Gruppen, aber auch Einzelpersonen Möglichkeiten bietet, sich (nicht nur virtuell) kennen zu lernen, auszutauschen, zu organisieren, Veranstaltungen vorzubereiten. Ähnlich wie Xing.com ein „Globales Networking für Geschäftsleute“ ist, so ließe sich auch für das katholische Deutschland eine Kontakt- und Kommunikationsplattform entwickeln, ein Netzwerk für Katholiken, das auflösende Strukturen stabilisieren hilft. Ein solches Netzwerk übernähme mit Adressdatenbank, Maildienst, Foren und Chats teilweise Aufgaben der alten Gemeindestruktur: Glaubensinformation, Glaubenserfahrung, gegenseitige Hilfe, Beratung, Freizeitgestaltung, Solidarisierung, Projektarbeit, Austausch, Tradierung (Archiv) etc.
Die Präsenz „katholisch.de“ könnte somit zu der zentralen Kommunikationsplattform der Katholiken in Deutschland werden, an die sich künftig immer mehr Dienste und Services knüpfen.Im Hinblick auf die auch für die Kirche höchst interessante Zielgruppe der Jugendlichen (15-24-Jährigen) ist festzustellen, dass das Internet als Medium in diesem Jahrzehnt weiter an Attraktivität gewonnen hat – und dies zu Lasten des klassischen Fernsehens. Neben den Musikaktivitäten (Hören – Downloaden - Tauschen) bevorzugen Jugendliche das Internet zur Kommunikation: „Kommunikation ist für 15- bis 24-Jährige in Europa ebenfalls eine sehr wichtige Aktivität im Internet. 58 Prozent bevorzugen Chats, um mit Freunden online zu kommunizieren. Über ein Drittel gibt an, durch das Internet weniger zu telefonieren.“ (Erhebung der EIAA European Interactive Advertising Association; zitiert nach innovations-report.de) Eine katholische Community-Plattform würde diese Zielgruppe gerade dort, wo sie der Gemeindestruktur entgleitet, wieder an sich binden.
Anders als im kommerziellen Bereich des Internets entwickelt die APG nur diejenigen Features mit eigener Technik weiter, die für die kirchliche Medienarbeit essenziell sind und einen hohen Nutzergrad versprechen. Nach Experimenten von katholisch.de mit podcast-Angeboten und SMS-Diensten werden diese Funktionen eher skeptisch betrachtet. Sie erfordern vergleichsweise hohe technische Investitionen, wenn diese Dienste in Eigenregie angeboten werden sollen. Der „Kontaktpreis“ – eine wichtige Größe für die Beurteilung des Mitteleinsatzes - wäre dabei zu hoch.
Die Entwicklung einer katholischen Community-Plattform ist mit einer Vorlaufzeit von etwa 10-12 Monaten möglich. Anders als bei den oben erwähnten Add-On-Diensten könnte eine solche Plattform in der ersten Betriebsphase von der bestehenden IT-Infrastruktur der APG profitieren.Dank ihres technischen Know hows und der hohen Flexibilität gegenüber den medienpolitischen Entscheidungen ihres Auftraggebers hat sich die APG in den vergangenen 10 Jahren vom reinen Stoffentwicklungsfirma zu einem wichtigen Dienstleister für die katholische Kirche im Bereich multimedialer Content-Produktion, Internettechnik und Portalredaktion entwickelt.
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